Sonntag, 7. September 2008 1:49
Disclaimber: Ich halte es für wichtig, vorher anzumerken, daß ich keinerlei Diskrepanzen gegenüber ausländischer Mitmenschen hege.
Wir schreiben einen lauen endsommer Monat, gegen 1:15 Uhr nachts.
Ich bin gerade auf dem Nachhauseweg. Zuvor habe ich einiges an Spenden auf einem Pfarrfest nahe gelegt. Aber gerade eben bin ich aus dem Bus ausgestiegen und laufe von der Haltestelle meinen Kilometer zu Fuß bis zu meiner Haustüre.
So kam es, dass sich mein Weg auf einem Bürgersteig sich mit ein paar Mitmenschen traf.
Am Strassenrand hielt gerade ein Taxi und vier – sagen wir mal: frühzwanziger Jungspunde türkischer Herrkunft – gingen des schnellen Schrittes von links nach rechts vor meinen Füssen vorbei, um in das Taxi einzusteigen.
Doch damit die Story spannend bleibt, kollidierte zufällig der Weg des fünften mit meinem Weg.
Wir rempelten uns an. Instinktiv sagte ich ein: “Entschuldigung.”
Doch damit hat er sich nicht abspeisen lassen wollen, er hielt mich an, indem er mich bei der Schulter festhielt und sagte etwas. Eigentlich war es schon ein rigoroses Protestieren.
Was er genau von sich gab, konnte ich nicht genau verstehen, weil aus meinen Ohrhöhrern gerade relativ laut Motörhead dröhnte. Aber ich bin ja nett und drehte meine Musiklautstärke auf 10% Lautstärke herunter und fragte freundlich: “Was?”
Mein Herr Kollisionsgegener entgegnete mir schroff: “Willze Ärger oder was?”
Perplex antworte ich: “Bitte was?”
Ich bekam im Grunde nur eine Gegenantwort: “Jaaaah!!??! Willze Schnauze oder was?”
In diesen Moment bauen sich auch die ürbigen vier Menschen – so wie ich vermute – türkischer Herkunft um mich herum auf.
“Willze Schnauze??” wurde ich erneut gefragt, aber diesmal von jemand anderen, nicht von meinem Kollisionsgegner.
Dies war nicht die Konversation, die ich jetzt gerade brauchte, mich zog es weiter, deshalb versuchte ich ein paar Schritte weiter zu gehen; was mir von den streitsüchtigen Türken vereitelt wurde.
“Was rempelst Du misch an? Entschuldige Disch! Hier vor meinen Kollegen!”
Jetzt nachdem ich deren primitiven Beweggründen verstand, kam natürlich auch mein primitiver Stolz zum Vorschein und ich entgegnete papp: “Du bist genauso in meinen wie ich in Deinen Weg gerannt. Belassen wir es dabei und es ist gut!”
Gegen die Schlagfertigkeit eines Mob hat man selten etwas entgegen zu bringen. Fünf zu eins taten sie mir mit einer Verwarnung gut: “Das passiert nich nochmal, sonst Schnauze!”
In diesem Moment, so muss ich zugeben, hat durch Zorn und Aggression mein eigener Primitivling Oberhand gewonnen und die kommunikative Führung übernommen: “Na dann komm doch her und gib mir Schnauze! Aber ich weiss, wo Du wohnst und der Taxifahrer ist auch mein Zeuge, wenn Du den ersten Schlag ausführst, Du scheiss Asi!”
Natürlich fruchtete mein Angebot und mein Kollisionspartner wollte sofort auf mich los, um sich der Keilerei mit mir hinzugeben, würde er nicht von seinen eigenen Freunden zurück gehalten. Aber seine Freunde hielt ihn nicht davon ab, kräftig gegen mich zu fluchen: “Isch fick Disch! Komm her und Du bist tot, man! Isch fick Disch!!!”
Natürlich wich ich erst einmal ein paar Schritte zurück. Seine Freunde hielten ihn zurück, sprachen auf ihn ein, drängten ihn in Richtung Taxi. Mir schien, dass er sich nicht wirklich von seinen Freunden zurück zerren, sondern dass er es sich gefallen lies. Er war schon im Begriff, ins Taxi einzusteigen, da gab er mir noch einen Rat: “Hau ab, Lan! Sonst hau ich Disch tot! Dasch meinich ernst! Ich – hau – Disch – tot!” Mit diesen Worten stieg er ins Taxi. Seine Freunde, die mich keines Blickes würdigten, taten es ihm gleich und das Taxi fuhr los.
Tja, noch bevor das Taxi losfahren konnte, bin ich bereits weiter meines Weges gelaufen. Vielleicht gerade weil ich die Situation nicht wirklich gewonnen hatte, hatte ich ein unbeschreibliches Gefühl der Ärgernis in mir. Auf den letzten Schritten heimwärts habe ich mich geärgert, wieso es so dumme Menschen geben muss.
Ein beiderseitiges “Entschuldigung” hätte es doch auch getan, oder?