Von der Maximaldummheit einiger Menschen
Disclaimber: Ich halte es für wichtig, vorher anzumerken, daß ich keinerlei Diskrepanzen gegenüber ausländischer Mitmenschen hege.
Wir schreiben einen lauen endsommer Monat, gegen 1:15 Uhr nachts.
Ich bin gerade auf dem Nachhauseweg. Zuvor habe ich einiges an Spenden auf einem Pfarrfest nahe gelegt. Aber gerade eben bin ich aus dem Bus ausgestiegen und laufe von der Haltestelle meinen Kilometer zu Fuß bis zu meiner Haustüre.
So kam es, dass sich mein Weg auf einem Bürgersteig sich mit ein paar Mitmenschen traf.
Am Strassenrand hielt gerade ein Taxi und vier – sagen wir mal: frühzwanziger Jungspunde türkischer Herrkunft – gingen des schnellen Schrittes von links nach rechts vor meinen Füssen vorbei, um in das Taxi einzusteigen.
Doch damit die Story spannend bleibt, kollidierte zufällig der Weg des fünften mit meinem Weg.
Wir rempelten uns an. Instinktiv sagte ich ein: “Entschuldigung.”
Doch damit hat er sich nicht abspeisen lassen wollen, er hielt mich an, indem er mich bei der Schulter festhielt und sagte etwas. Eigentlich war es schon ein rigoroses Protestieren.
Was er genau von sich gab, konnte ich nicht genau verstehen, weil aus meinen Ohrhöhrern gerade relativ laut Motörhead dröhnte. Aber ich bin ja nett und drehte meine Musiklautstärke auf 10% Lautstärke herunter und fragte freundlich: “Was?”
Mein Herr Kollisionsgegener entgegnete mir schroff: “Willze Ärger oder was?”
Perplex antworte ich: “Bitte was?”
Ich bekam im Grunde nur eine Gegenantwort: “Jaaaah!!??! Willze Schnauze oder was?”
In diesen Moment bauen sich auch die ürbigen vier Menschen – so wie ich vermute – türkischer Herkunft um mich herum auf.
“Willze Schnauze??” wurde ich erneut gefragt, aber diesmal von jemand anderen, nicht von meinem Kollisionsgegner.
Dies war nicht die Konversation, die ich jetzt gerade brauchte, mich zog es weiter, deshalb versuchte ich ein paar Schritte weiter zu gehen; was mir von den streitsüchtigen Türken vereitelt wurde.
“Was rempelst Du misch an? Entschuldige Disch! Hier vor meinen Kollegen!”
Jetzt nachdem ich deren primitiven Beweggründen verstand, kam natürlich auch mein primitiver Stolz zum Vorschein und ich entgegnete papp: “Du bist genauso in meinen wie ich in Deinen Weg gerannt. Belassen wir es dabei und es ist gut!”
Gegen die Schlagfertigkeit eines Mob hat man selten etwas entgegen zu bringen. Fünf zu eins taten sie mir mit einer Verwarnung gut: “Das passiert nich nochmal, sonst Schnauze!”
In diesem Moment, so muss ich zugeben, hat durch Zorn und Aggression mein eigener Primitivling Oberhand gewonnen und die kommunikative Führung übernommen: “Na dann komm doch her und gib mir Schnauze! Aber ich weiss, wo Du wohnst und der Taxifahrer ist auch mein Zeuge, wenn Du den ersten Schlag ausführst, Du scheiss Asi!”
Natürlich fruchtete mein Angebot und mein Kollisionspartner wollte sofort auf mich los, um sich der Keilerei mit mir hinzugeben, würde er nicht von seinen eigenen Freunden zurück gehalten. Aber seine Freunde hielt ihn nicht davon ab, kräftig gegen mich zu fluchen: “Isch fick Disch! Komm her und Du bist tot, man! Isch fick Disch!!!”
Natürlich wich ich erst einmal ein paar Schritte zurück. Seine Freunde hielten ihn zurück, sprachen auf ihn ein, drängten ihn in Richtung Taxi. Mir schien, dass er sich nicht wirklich von seinen Freunden zurück zerren, sondern dass er es sich gefallen lies. Er war schon im Begriff, ins Taxi einzusteigen, da gab er mir noch einen Rat: “Hau ab, Lan! Sonst hau ich Disch tot! Dasch meinich ernst! Ich – hau – Disch – tot!” Mit diesen Worten stieg er ins Taxi. Seine Freunde, die mich keines Blickes würdigten, taten es ihm gleich und das Taxi fuhr los.
Tja, noch bevor das Taxi losfahren konnte, bin ich bereits weiter meines Weges gelaufen. Vielleicht gerade weil ich die Situation nicht wirklich gewonnen hatte, hatte ich ein unbeschreibliches Gefühl der Ärgernis in mir. Auf den letzten Schritten heimwärts habe ich mich geärgert, wieso es so dumme Menschen geben muss.
Ein beiderseitiges “Entschuldigung” hätte es doch auch getan, oder?
Montag, 8. September 2008 10:21
Ich habe inzwischen keinerlei Schwierigkeiten mehr damit nachzuvollziehen, warum die Glatzen immer mit mehreren im Schlepptau durch die Strassen ziehen.
Schön geschrieben. Ich hätte es mal voll gerne, das die Feigheit solcher dummen Subjekte mal NICHT vor deren Aggressionen die Oberhand gewinnt, und das man in einem Ausgewogenen Kräfte/-Zahlenverhältnis so etwas erlebt.
Passiert aber merkwürdiger weise immer nur, wenn die einem alleine oder MAXIMAL zu zweit begegnen und selbst 3-4 Homies im Schlepptau haben.
Montag, 8. September 2008 10:22
PS: Seeeeehr schön gestyltes Theme haste da!
Dienstag, 9. September 2008 17:54
Warum erschüttert mich diese Geschichte nicht?
Warum denke ich beim lesen nichts wie “man, sowas passiert wirklich?”
Warum stimmt mich diese Geschichte nicht nachdenklich?
Warum? Weil sie mir in ähnlicher Form auch häufig passiert :-/
Ich kann Dir leider auch nicht sagen warum es so dumme Menschen gibt die ihren Kopf nur dafür haben damit es nicht in den Hals regnet – unabhängig von der Nationalität – aber ich weiß, dass es definitiv zu viele dieser Sorte gibt und dass sie stark nachtaktiv sind, denn dort gibt es meist weniger Zeugen.
Die Aussage mit dem Taxifahrer stimmt zwar soweit, aber er hätte sicher auf blind/ taub gemacht wäre es zur Exkalation gekommen.
Wirklich schade sowas, aber das ist leider die heutige Welt. Meine persönliche Erfahrung war allerdings bislang immer, dass lange Haare, Springerstiefel und ein dunkler Mantel Wunder wirken (als ich noch ersteres hatte) … aber anscheinend sind solche Typen mittlerweile selbst dagegen resistent geworden :-/
Dienstag, 9. September 2008 22:36
Es ist schon richtig, solche Geschichten wiederholen sich wahrscheinlich jeden Tag zu Dutzenden in Deutschland und sonst wo auf der Welt.
Eigentlich ist es nichts, was wirklich sooo außergewöhnlich ist.
Allerdings muss ich sagen, war ich an den Abend dann wirklich sauer und ich konnte einfach nicht einschlafen, ich wollte diese Szene einfach mal raus lassen. Dafür ist ja ein Blog schließlich da.
Auf die Idee, dass der Taxifahrer eventuell auf blind/taub machen könnte, bin ich in diesem Moment gar nicht mal gekommen. Ich bin wohl immer noch zu sehr ein Gutmensch.
Mittwoch, 10. September 2008 16:34
Ich glaub, ich hab mich mies ausgedrückt oder wir haben durch Zufall an einander vorbei geredet.
Ich wollte mit meiner Einleitung nicht das Vorkommnis herunterspielen und als larifari betiteln, sondern eigentlich eher mein Bedrücken zum Ausdruck bringen dass sowas keinen Aufschrei hervorbringt weil man einfach schon abgestumpft ist was sowas angeht.
Keinesfalls sollte das sowas wie “jetzt hör auf zu heulen, das passiert jedem” bedeuten